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Poetry Slam

Hallo ihr lieben Dschungelhörer*innen,

am vergangenen Sonntag hatten wir eine ganz besondere Sendung, denn Sophie und Anouk haben euch das Thema Poetry Slam vorgestellt. Da diese Themensendung sehr informativ und umfangreich war, könnt ihr euch hier noch einmal einen Überblick verschaffen. Wir fassen die relevantesten Punkte der Sendung für euch ganz ausführlich zusammen, sodass ihr sie entspannt durchstöbern könnt.


Viel Spaß :)




Der Überblick - Was ist Poetry Slam überhaupt?


Poetry Slam ist ein literarischer Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer*innen einen selbst verfassten Text einem Publikum vortragen. Dabei ist ausschlaggebend, dass die Vortragenden, die in der Szene auch Slamer*innen genannt werden, keine weiteren Hilfsmittel verwenden. Dies bedeutet, dass nur die eigene Sprache als Vermittlungs-Instrument verwendet werden darf, jedoch dürfen die Slamer*innen nicht auf Requisiten zurückgreifen. Zusätzlich können die Veranstalter*innen das Zeit Intervall, welches die vortragende Person zur Verfügung haben wird, voraussetzten. Poetry Slam ist ein sehr demokratischer Wettbewerb, da die gewinnende Person ausschließlich durch ein Publikums-Voting gewählt wird. Als Preis gibt es meistens etwas Materielles bspw. ein Gimmek oder Kleidung, jedoch wird eher selten ein Preisgeld vergeben.



Die Entstehung des Poetry Slams


Poetry Slam entstand unter anderem in New Yorck. Hier wurden mit der Eröffnung des "Nuyorican Poets Cafe" ein wichtiger Grundstein im Jahre 1975 gelegt. Verantwortlich dafür waren zwei puerto-ricanischen Poeten und Theater-Macher, die nicht nur Dichter*innen eine Bühne boten, sondern auch für Jazzkonzerte und Theateraufführungen einen Raum schufen.

Zehn Jahre später gründete der Poet und Bauarbeiter Marc Kelly Smith das "Chicago Poetry Ensemble" in Chicago. Auch dort wurden regelmäßige Poetry Performances veranstaltet, die häufig in Kombination mit einer Jazzband auftraten. Dieses Ensemble lässt sich als ein Vorreiter für die “National Slam Teams” der heutigen Szene betiteln. Der Erfolg des Ensembles ist unerwartet hoch und so zieht Marc Smith mit seiner Truppe in den "Green Mill Jazz Club" um. Dort veranstaltet er jede Woche eine Poetry Show, die aus drei Teilen besteht. Erstens das Open-Mic, anschließend treten ausgewählte Künster*innen aus ganz Amerika auf und abschließend übernimmt das "Chicago Poetry Ensemble" die Bühne. Der Aufwand für das Ensemble wöchentlich ein neues Teampiece einzustudieren war jedoch zu hoch, weshalb Smith der Gedanke kam, in jeder zweiten Woche eine Art Dichterwettstreit zu initiieren. Dies war der erste Poetry Slam der Welt, welcher von Smith "The Uptown Poetry Slam" getauft wurde.

Im "Nuyorican Poets Cafe", welches das Konzept bald darauf übernahm, fand einige Jahre später der erste National Poetry Slam der USA statt. In den folgenden Jahren fand eine zügige Etablierung der Szene in weiteren amerikanischen Städten statt, wodurch die Poetry Slams als Veranstaltungen an Größe zunahmen.

Nachdem Mitte der 90er Jahre die Presse in Europa von dem Hype der amerikanischen Poetry Slams Wind bekam, berichteten sie ausführlich über “Spoken Word” und die zugehörige Szene. Im Berliner "Ex n Pop", das inzwischen nicht mehr existiert, fand 1994 der erste deutsche Poetry Slam statt. Dieser wurde von zwei in Berlin lebenden Amerikanern initiiert. Auch der Bayrische Rundfunk nahm die aufkommende Popularität der Szene als Grund, eine Woche lang jeden Tag live aus dem “Nuyorican Poets Cafe” zu senden. Als dann kurz darauf eine Delegation des Cafés ihre erste Europa-Tour startete, war das gesellschaftliche Interesse auf dem europäischen Kontinent geweckt. Etwas später, im Jahre 1997, wurde das "Deutsch-Nuyorican Poetry Festival" in New York veranstaltet. Dort war auch bei Bastian Böttcher zu Gast, der als der erste deutsche Poetry Slamer gilt. Inzwischen zählt die deutsche Poetry Slam Szene zu den größten weltweit.



Kennt ihr schon...?


Julia Engelmann. Sie ist eine der bekanntesten Slam-Poetinnen Deutschlands, stammt aus Schleswig-Holstein und wurde durch ihren Auftritt beim 5. Bielefelder Hörsaalslam im Mai 2013 bekannt. Dort trug sie den Text “One Day / Reckoning” vor. Inzwischen ist sie nicht nur Autorin, Musikerin sondern hat auch noch einen eigenen Podcast namens "Club der stillen Poet*innen". Im Mai 2023 wird ihr nächstes Album "Splitter" erscheinen.


Fiva. Ist eine deutsche Rapperin, die 1999 ihren ersten Freestyle-Auftritt im Münchner Flava Club 70 hatte. Bei den deutschsprachigen Slam-Meisterschaften 2002 belegte sie den dritten Platz im Einzelwettbewerb und 2004 in Leipzig wurde sie mit ihrem Team "Tha Boyz with tha Girlz in Tha Back" zum besten Slam-Team im deutschsprachigen Raum gekürt. Drei Jahre später veröffentlichte sie ein Buch mit Spoken-Word-CD mit dem Titel "Klub Karamell". Hinzu kommen viele Moderationsjobs und kontinuierliche Veröffentlichungen ihrer Alben. So brachte sie auch 2022 ihre EP "So viel Meer" heraus.


Samson. Ist seid sieben Jahren als Slamer auf den Bühnen Berlins unterwegs und hat inzwischen mit

seinem Kollektiv Kiezpoeten ein stabiles vierköpfiges Team aufgebaut, mit dem er regelmäßig Shows in Berlin und Umgebung organisiert. Die Berliner Poetry Szene beschreibt Samson dabei als eine sehr offene Community, die alle Menschen auf und vor der Bühne willkommen heißt. Dabei hat sich die Berliner Szene als eine der größten im deutschsprachigen Raum etabliert.

Das Samson auch auf der Bühne gelandet ist, resultierte aus einer Wette, bei der er ganz beiläufig zu einem Kumpel meinte: "So Poetry-Texte bekomme ich auch hin." Und recht hatte er! Denn inzwischen schreibt er vor allem im Bereich lustiges Storytelling seine Texte und trägt diese, mit dem Ziel die Leute zu unterhalten, dem Publikum vor.


Rosenkrieg. Das ist eine Schreibwerkstatt die vor 15 Jahren von Claudia Reckermann an einer Falkenseer Schule gegründet wurde. Mayra Keil (19-Jahre) ist seid sechs Jahren dabei und inzwischen ein fester Teil der Organisation. Sie entwickelt das Programm für die Schreibwerkstatt wobei es bei den Zusammentreffen nicht nur um Schreibübungen geht, sondern auch um den zwischenmenschlichen Austausch und das gemeinsame Schaffen. So soll die Schreibwerkstatt Rosenkrieg ein Ort sein, an dem sich jede*r wohlfühlt und seiner Kreativität freien Lauf lassen kann.


Das Lumpenpack. Max und Jonas kommen beide aus dem Poetry Slam. So wurde Max 2012 und 2013 bayrischer und Jonas rheinland-pfälzischer Poetry-Meister. Seit 2013 sind sie verstärkt musikalisch aktiv, weshalb in dem Jahr ihr erste Album “Steil-geh-LP” erschien. Ihre Single "Danke, liebe Leber" erschien 2022 und nächstes Jahr im März beginnt auch schon die nächste Tour der Jungs, die unter dem Titel "emotions" laufen wird.



Fun-Facts


  1. 2016 wurden die deutschsprachigen Poetry-Slams in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

  2. In Köln, Berlin und London fanden bereits Anti-Slams statt, bei denen die schlechteste Beiträge gewannen.

  3. 2012 veranstaltete der Nürnberger Michl Jakob den längsten Poetry-Slam der Welt der 25 Stunden lang war. Dieser Weltrekord wurde vom 10. bis 11. Dezember 2016 vom österreichischen Slam-Veranstalter Lukas Wagner auf 28 Stunden und 48 Minuten erweitert

  4. Es gibt auch "Deaf Slams" die in Gebärdensprache stattfinden.

  5. Eine eher absurde Slam-Kategorie wurde vom Poeten Emanuel Xavier erfunden. Diese trägt den Titel "Best Erotic Poem in Sexy Underwear or Lingerie".

  6. Auch berühmte Dichter*innen haben schon an Poetry Slams teilgenommen, wie bspw. Maya Angelou oder Allen Ginsberg.

  7. Der World Poetry Slam Champion des Jahres 2022 ist Xabiso Vili aus Südafrika.

  8. Einige berühmte Personen haben den Ursprung ihres Erfolgs im Poetry Slam. So haben der Autor Marc-Uwe Kling, die Autorin Sophie Passmann, die Moderatorin Hazel Brugger oder auch der Podcaster Felix Lohbrecht ihre ersten Bühnenerfahrungen beim Poetry-Slam sammeln dürfen.



Veranstaltungs-Tipps für die Berliner Szene


Der älteste Slam Deutschlands ist der Bastard Poetry Slam. Ihn gibt es sei 1993/94, zunächst wurde er im Pop in Schöneberg ausgetragen, inzwischen findet er jeden dritten Freitag im Monat um viertel vor 9 im Ritter Butzke in Kreuzberg statt.


Den "Schall & Rauch" Slam könnt ihr zweiten Mittwoch im Monat um 19:30 Uhr in der Kulturfabrik Moabit besuchen. Dieser Slam-Abend ist allerdings etwas extravagant, denn alle Poet*innen treten mit einem Künstler*innennamen hinter einer beleuchteten Schattenwand auf. Hinzukommt, dass das Publikum, anderes als bei einem klassischen Poetry Slam, auch über die Performance abstimmt. Denn hinter der Schattenwand dürfen Requisiten und Verkleidungen benutzt werden um die Texte mit einer Performance künstlerisch zu unterstützen.


Der Slam des Westens findet einmal im Monat im AHA-Berlin in Schöneberg statt. An solchen kurzen und kalten Wintertagen, wie wir sie momentan wieder erleben, ist der Slam-Abend dort ein besonderes Erlebnis. Da unter dem Namen "Slam des Westens in the Dark" alles in kompletter Dunkelheit stattfindet. Dies soll bewirken, dass sich das Publikum ausschließlich auf das gesprochene Wort konzentriert. Die abschließende Abstimmung ist auch etwas außergewöhnlich, denn der/die Sieger*in wird nicht mit Klatschen, sondern mit bunten Knicklichtern bestimmt.

Weitere Tipps für Slam-Veranstaltungen im Berliner #Großstadtdschungel findet ihr unteranderem auf Slamtermine.de oder auf Berlin.de/kultur-und-tickets/tipps/poetry-slam/.





Alle Infos zu unseren neusten Sendungen und Events findet ihr auf unserer Instagram-Seite, hier finden aktuell auch die Wahlen zum #UndergroundRealeasDesJahres statt, also schaut da auf alle Fälle mal vorbei und stimmt für eure*n Favorit*in ab.

Alle Sendungen als Podcast findet ihr überall, wo es Podcasts gibt, u.a. auf Spotify.



Bleibt gesund und munter und bis bald bei Hauptstadtsafari,

eure Anna Marie :)













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