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Musik und Klima - so klingt Klimaschutz -

Kann die Musikwissenschaft mit all ihren unterschiedlichen Facetten sich nachhaltig verhalten, um gegen den Klimawandel vorzugehen?


Dieser Beitrag fasst die zwei ausgestrahlten Themensendungen "Musik und Klima - so klingt Klimaschutz -" zusammen. Die Sendungen sind unter der Leitfrage "was lässt sich aus musikalischer Sicht für den Klimawandel tuen?" entstanden. Diesbezüglich hat Hauptstadtsafari sich mit fünf verschiedenen Menschen auseinandergesetzt, die alle auf eine unterschiedliche Art und Weise in der Musikbranche tätig sind. Vom nachhaltigen Instrumentenbau, über Konzertmanagement bis hin zu einer musikalischen Auseinandersetzung mit dem Thema Klimawandel ist alles vertreten.



Die aktuelle, weltweite Klimasituation


Dass die Erde sich kontinuierlich weiter erwärmt ist spätestens seit der Protestaktion FridaysForFuture in aller Munde. Die Folgen, der durch Menschen herbeigeführten Erderwärmung, sind keine Unbekannten: Wetterextreme, das Steigen des Meeresspiegel, die Abnahme der Biodiversität, die Häufung von Stürmen oder auch die Eisschmelzung und viele weitere Naturkatastrophen steigern sich in ein Extrema, die bereits jetzt ökologische und wirtschaftliche Folgen mit sich bringen. Die Auswirkungen dessen werden für die Stabilität der Ökosysteme unseres Planeten sowie für den Großteil aller Menschen eine Bedrohung ihrer Existenz darstellen. Die ungebremste Erderwärmung bringt Gefahren mit sich, deren Folgen nicht nur den Wohlstand sondern auch den Frieden weltweit verändern werden. Doch wir können noch etwas dagegen unternehmen! Wie ihr euch engagieren oder klimafreundlicher euren Alltag bestreiten könnt zeigen euch beispielsweise Organisationen wie FridayForFuture.

Auch die Musikbranche kann und muss sich zukünftig nachhaltig gestalten. Denn Instrumente verlangen zum Beispiel Holz, welches nicht zwangsweise die Ozeane überquert haben muss, Musiker:innen benötigen Transportmittel, um ihre Tour absolvieren zu können und Songtexte können über Themen wie die Folgen des Klimawandels aufklären. Was somit aus einer musikalischen Sicht heraus unternommen werden kann, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, erfahrt ihr in diesem Beitrag.



Interview – Nicole Wuttke


Nicole Wuttke arbeitet als Dozentin, ist in der Musikproduktion, für die Firma Media Pool und ist vor allem für die Berlin Music Commission tätig. Sie ist eines der Gründungsmitglieder der Berlin Music Commission, weshalb das Thema Nachhaltigkeit bereits seit über zehn Jahren auf ihrer Agenda einen Platz gefunden hat. Das Ziel der Berlin Music Commission ist es, Musiker:innen zu vernetzen und Akteur:innen aus allen Bereichen der Berliner Musikwirtschaft zu stärken, sowie über nachhaltige Alternativen aufzuklären. Dafür werden öffentliche, kostenlose Workshops und monatliche Beratungsstunden angeboten. Die Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Bereichen ist dabei ausschlaggebend. Denn zum Beispiel gehört zum nachhaltigen Tourmanagement nicht nur die umweltfreundliche Anreise der Musiker:innen, sondern auch das Technikteam oder die Zuschauer:innen können dazu bewegt werden, beispielsweise mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Dafür müssen Manager:innen Kontakte mit den jeweiligen Verkehrsunternehmen aufnehmen, oder ein Team an Techniker:innen zusammenstellen, was bereits vor Ort ist.

Für eine nachhaltige Tour müssen jedoch auch Punkte wie die Mülltrennung, Pfandsysteme oder das Catering beachtet werden. Dies geschieht, in dem Dienstleistungsunternehmen nach ihren Werten der Nachhaltigkeit gegenüber ausgewählt werden und nicht ausschließlich nach ihrem Preisleistungsverhältnis. Um Unternehmen diesbezüglich zu unterstützen, bietet die Berlin Music Commission Workshops zu nachhaltigen Handlungsfeldern an und führt außerdem Zertifizierungen durch. Dadurch lassen sich Unternehmen aussortieren, die ihren Schwerpunkt nicht auf eine nachhaltige Zukunft legen.

Da sie sich die Music Commission auf den Raum Berlin spezialisiert hat, befassen sich die gut 200 Mitglieder:innen auch mit dem Organisieren von Großveranstaltungen wie der Fête de la Musique oder dem Karneval der Kulturen. Denn vor allem bei öffentlichen Großveranstaltungen ist die Trennung und Entsorgung des Mülls ein Problem und auch ein sinnvolles Pfandsystem muss erst noch entwickelt werden. Diesbezüglich setzt die Berlin Music Commission auf den Zusammenschluss von vielen unterschiedlichen Branchen, denn nicht nur freiberufliche Mitarbeiter:innen, sondern auch Konzertlocations wie das Velodrom, die Max-Schmelling-Halle oder die Berliner Sparkasse steuern Ideen für eine nachhaltige musikalische Zukunft bei.

Nachhaltigkeit im Bereich der Musik teilt Nicole Wuttke schlussendlich auf drei große Säulen auf: die wirtschaftliche, die ökologische und die soziale Ebene. Letztere umfasst zum Beispiel Datenschutzrichtlinien die eingehalten werden müssen oder den Arbeitsschutz, denn das auf einem Festivaltag im Sommer ein 15 Stunden Tag gängig ist, sollte unterbunden werden. Laut Nicole müssen Individualist:innen der Branche ihre gewohnten Arbeitsprozesse an nachhaltige Konzepte anpassen, denn wer den Mehrwert darin erkannt hat, wird langfristig gesehen auch finanziell davon profitieren. Ein Mehrwert der für Nicole und ihre Kolleg:innen im Vordergrund steht ist die Vermittlung zwischen den Menschen, die in der Musikbranche tätig sind.



Interview – Gunther Reinhardt


Der Tübinger Gunther Reinhardt hat es sich mit seiner Firma Reinhardt GmbH bestacoustics zur Aufgabe gemacht, dem nachhaltigen Gitarrenbau eine Chance zu geben. Sie vertreiben akustische Gitarren, bei denen das Material ausschließlich Holz ist. Dadurch ist die Abstammung des Baumaterials ausschlaggebend, denn für akustische Gitarren werden oftmals sogenannte Tropenhölzer verwendet. Diese stammen aus Afrika oder Südamerika und haben somit nicht nur einen langen Importweg bis nach Deutschland, sondern die Arbeitsbedingungen vor Ort zu kontrollieren ist wesentlich undurchsichtiger und fehleranfälliger als eine europäische oder gar deutsche Produktion.

Bei den Tropenhölzern gibt es inzwischen geschützte Varianten deren Existenz, wie unteranderem das Rio Palisander, ein Fällverbot gesichert wird. Da diese Hölzer bereits in ihrer Reinform spezielle Klangeigenschaften besitzen, sind Hölzer wie Mahagoni oder indischer Palisander für den Instrumentenbau sehr gefragt. Doch damit es bei diesen Hölzern nicht zum Aussterben kommt, hat Gunther Reinhardt sich eine Methode überlegt, wie auch einheimisches Holz an die atemberaubenden Klangeigenschaften der Tropenhölzer herangelangen kann.

Da das Hauptmaterial einer Gitarre primär Holz ist, wäre es wesentlich nachhaltiger die Transportwege so kurz wie nur möglich zu halten. Die Verwendung einheimischer Hölzer kommt diesem Aspekt der Nachhaltigkeit sehr entgegen.

Gunther Reinhardt hat das Projekt "rECOtimber" entwickelt. Zusammen mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde haben sie ein Verfahren zur thermischen Optimierung der Hölzer erstellt. Durch eine Hitzebehandlung bei 150 Grad Celsius erlangen heimischen Hölzer ähnliche Klangfähigkeiten wie die Tropenhölzer, denn ihre Zellstruktur verändert sich während des Hitzevorganges. Bereits 1998 hat Gunther Reinhardt die ersten Ideen zu diesem sogenannten Baton-Rouge-Verfahren entwickelt. Durch dieses Verfahren werden Hölzer wie Erle, Esche, Ahorn und Kirsche wesentlich leichter, verfügen über bessere Klangeigenschaften und gewinnen deshalb an Wert. Denn ihre Verwendungsbrandbreite erhört sich. Dass Klangholz nachhaltig erzeugt werden kann, welches qualitativ mit den Tropenhölzern mithält, ist im Bereich des Instrumentenbaus ein positiver Fortschritt pro Nachhaltigkeit.



Interview – Immanuel De Gilde


Immanuel De Gilde arbeitet beim Stegreif-Orchester in der Projektleitung und Presseabteilung. Ihr Ziel: Ein Symphonieorchester bringt improvisiert (also „aus dem Stehgreif“) Musik auf die Bühne, denn musikalischer Aktivismus ist auch in der klassischen Musik möglich.

Stegreif ist ein 30-köpfiges Kollektiv ohne Dirigent:innen und "am liebsten wird im Publikum und mit dem Publikum zusammen musiziert", sagt Immanuel uns während des Interviews. Ihr prägnantes Markenzeichen ist es, stehend oder sich im Raum bewegend, ohne Schuhe und Notenständer zu musizieren.


Eines der letzten Projekte von Stegreif war das #bechange Projekt. Hierbei wurde das Thema Nachhaltigkeit in vielen Facetten künstlerisch transformiert und die 17 Ziele der UN wurden musikalisch in vier Premierprogrammen verarbeitet. Dieses Projekt entstand in Kombination mit 16 Workshops in 16 Bundesländern. Die Künstler:innen sind in Schulen und Jugendzentren unterwegs gewesen und haben mit den Kindern über ihre persönliche Nachhaltigkeit gesprochen. Während der Workshops wurden die Stimmen aufgenommen und später in die Installationen mit eingebaut. Insgesamt sind vier Premieren entstanden, die jeweils eine andere historische Komponistin als Grundlage hatten.

  1. #bechange awakening nach Hildegard von Bingen

  2. #bechange feeling nach Wilhelmine von Bayreuth

  3. #bechange thinking nach Clara Schuhmann

  4. #bechange acting nach Emilie Meyer

Der erste Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist bereits die Tatsache, weiblichen Komponistinnen eine Stimme zu geben, sagt Immanuel. Denn dadurch wurde der klassische Musikkanon aufgebrochen. Rekomponistinnen habe sich die Werke oder Themen der jeweiligen Musikerinnen ausgesucht und diese in Kombination mit dem Thema Nachhaltigkeit bzw. einzeln ausgewählten Themen (bspw. Hunger oder Armut) ausgearbeitet.

Der Regisseur dieses großen Projektes war David Fernandez. Die Konstellationen auf der Bühne hat, in Bezug auf die Nachhaltigkeit, die meiste inhaltliche Arbeit hereingebracht. Es wurden Texte eingesprochen und eingeblendet, sowie Bilder zur inhaltlichen Unterstützungen gezeigt. Außerdem hat eine interaktive Arbeit stattgefunden, indem Pflanze als verbindendes Element durchs Publikum wanderten. Die thematische Vermittlung stand absolut im Vordergrund und wurde durch eine eins zu eins konfrontative Situation hervorgerufen. Denn das Publikum hat die Instrumente direkt in die Hand bekommen. So war das Ziel, Musik als ein Mittel zum Zweck und als experimentellen Zugang zu verwenden, um das Thema Nachhaltigkeit zu vermitteln.

Das Stegreif-Orchester versucht außermusikalische Themen durch eine interaktiv dargestellte Konzertsituation und einen immersiv genutzten Raum in Konzerthäusern zu etablieren. Durch die musikalische Verbindung zum dargestellten Thema wird eine emotionale Komponente hinzugefügt. Denn die Musik kommt ohne Worte aus und kann dementsprechend auch als Hoffnungsgeber fungieren. Das Narrativ der Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, hat sich durch das gesamte Projekt gezogen, erwähnte Immanuel in unserem Interview. Und nach so einem Stegreif Konzert bleiben bei den meisten Zuhörer:innen vielen Fragen, doch letztendlich ist es am relevantesten, sich mit gesellschaftlich Themen auch in der klassischen Musik auseinanderzusetzten und einen kommunikativen Austausch nicht zu scheuen.



Interview – Alexander Rehding


Professor Alexander Rehding lehrt an der Harvard-University Musikwissenschaft und Musiktheorie und forscht parallel zum Thema nachhaltige Strategien in Bezug auf den Umweltschutz.

Die Ökomusikwissenschaft ist Anfang der 2000er als Antwort auf die Herausforderung, wie die Geisteswissenschaften in aktuelle Bezüge eingreifen und relevant bleiben können, entstanden. Musikethnologie befasst sich zum Beispiel damit, was in anderen Musikkulturen gemacht wird. Darunter zählt auch Aktivismus als eine politisch ausgerichtete Form der Wissenschaft. Es werden auch Rezeptionsgeschichten von Werken untersucht oder hermeneutische Interpretation von Musikwerken erstellt, die mit der Natur zusammenhängen. Die Frage in Rehdings Forschungsalltag ist wie die Musikwissenschaft dabei helfen kann, auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen und inwiefern die Musik mit ihrer komplexen Semantik die tiefsitzenden Verhaltensmuster der Menschen beeinflussen kann.

Ein bekanntes Beispiel um das Thema Klimawandel auf die Bühne und unter die Menschen zu bringen fand in der Popmusik durch die Band Coldplay statt. Diese ließen bei ihren Konzerten Fahrräder auf der Bühne und im Publikum platzieren, welche die Zuschaueri:nnen zur nachhaltigen Energieerzeugung anreizen sollten. Auch kinetische Tanzflächen erzeugen durch die Bewegungen des Publikums Strom und sind in der Konzertplanung von Coldplay involviert.

Ein weiteres Beispiel, das Alexander Rehding aus der Popmusik aufzählt, hat der Musiker Pharrell Williams ins Leben gerufen. Er setzte sich mit dem Begriff der Zeitlichkeit in Bezug auf den Klimawandel auseinander auf eine einmalige Art und Weise auseinander. Denn Pharrell schrieb den Song "100 Years" und ließ ihn einmalig auf eine Schallplatte aus ungebranntem Ton spielen. Somit existiert ausschließlich eine Version des Songs. Diese wurde bei einer einmaligen Loungeparty gespielt und daraufhin nach Frankreich gebracht. Dort verweilt die Platte in einem wasserlöslichen Safe, der sich in dem Keller eines Schlosses liegt, welches unweit des Meeres liegt, befindet. Im Jahre 2117 wird sich der Safe das erste Mal wieder öffnen lassen, wenn der Meeresspiegel bis dahin nicht das Schloss samt Keller und Safe geflutet hat. Wenn die Menschheit diesen Song zu Ohren bekommen soll, dann müssen wir alles daransetzten, den Anstieg des Meeresspiegels zu stoppen. Mit diesem einzigartigen Projekt hat Pharrell die Musik verwendet, um den Klimawandel mit seinen Folgen realitätsbetreffend darzustellen und ein Umdenken herbeizuführen.

Alexander Rehding setzt sich außerdem mit der Brauchbarkeit von musikethnologischen und -anthropologischen Ansätzen auseinander. Dabei schildert er anhand einer Situation ein Kommunikationsproblem, welches durch Musik gelöst werden könnte. Es steht zur Debatte ein atomares Endlager auch in den nächsten 10000 Jahren fern von jeglichen Zivilisation unterzubringen. Doch wie lassen sich die zukünftigen Menschen vor dieser Gefahr warnen?

Die Musik als Lösungsansatz ist Teil eines zwei Phasenplans, der als Lösungsansatz vorgeschlagen wurde. Erstens sollen genetisch modifizierte Katzen, die bei Radioaktivität grün aufleuchten entwickelt werden und zweitens müssen die zukünftigen Generation über den Zweck der Leuchtkatzen informiert werden. Dabei kommt die Musik ins Spiel, denn anhand von einem Lied soll dies möglich werden. Der dafür entstandene Song heißt "10​,​000​-​Year Earworm to Discourage Settlement Near Nuclear Waste Repositories (Don't Change Color, Kitty)" und bringt auf alle Fälle einen großes Ohrwurmpotential mit sich.



Mit Sound und Musik in Bezug auf unsere Ökosysteme haben sich bereits die Klangkünstlerin Hildegard Westerkamp und der Klangforscher Raymond Murray Schafer in den 1970er Jahren beschäftigt. Sie entwickelten Techniken um Klangräume schriftlich zu erfassen, was eine Archivierung der Klanglichkeit von Räumen ermöglichte. Zusätzlich schufen sie mit ihren Soundmapping und Soundscape Projekten eine Form des akustischen Naturschutzes.

Doch Rehding erzählt nicht nur von Menschen die Musik für den Naturschutz betreiben, er berichtet auch davon, wie Klänge ökologische Aufschlüsse herbeiführen können. Tierlaute wie das Summen von Insektenvölker, bringen ein großes akustisches Spektrum mit sich, das immer als Informationsträger fungiert. Die Gesänge von Buckelwalen wurden 1970 auf einer Schallplatte aufgenommen und durch den Track "Song of a Humppack whale" veröffentlicht. Diese Art die Tierlaute als menschennahe Gesänge darzustellen, hatte Einfluss darauf, dass bereits 1980 die UNO den kommerziellen Walfang eingestellte.



Interview – Manon Gerhardt


Die Berlinerin Manon Gerhardt ist Mitglied des Orchesters der Deutschen Oper Berlin und spielt dort seit 18 Jahren die Bratsche. Die legale Form des politischen Protestes war für sie schon immer äußert relevant. Inzwischen ist sie seit fünf Jahren bei Extinction Rebellion in der Pressearbeit sowie im Community-Building tätig. Zusätzlich leitet sie den XR-Chor.

Bereits bei ihren ersten Aktionen mit Extinction Rebellion hatte Manon ihre Bratsche zur Hand. Unteranderem spielte sie bei der "Die-In" Situation ein Stück von Bach. In dieser Schlusssituation legen sich die Teilnehmenden Personen nach einer vollendeten Rede bewegungslos auf den Boden als Symbol für das Tier- und Menschensterben. Durch die Musik wird die Tragik dessen in den Vordergrund gestellt und die zu vermittelnden Emotionen zugänglicher.

Manon bemerkte schnell, dass sie mehr künstlerische Aspekte in die Protestaktionen einbringen wollte und ließ den XR-Chor wieder aufleben. Dabei ist ihr Ziel nicht, den Menschen das Singen beizubringen sondern sie zum Singen zu motivieren. Weiterführend ist es auch für die Protestaktionen unterstützend, denn das Singen kann bei Protestaktionen, in denen die Teilnehmer:innen eingekesselten Situationen ausgeliefert sind, deeskalierend sein. Es wird zum verbindenden Element im Gegensatz zu lauten Rufen kann Musik die Angst nehmen und ein positiv behaftetes Gemeinschaftsgefühl erzeugen. Denn Musik ist in ihrer Außenwirkung weniger aggressiv als das rhythmische Rufen von Sprüchen.


So interpretiert Manon mit ihrem Chor Rebellionsmusik wie "Bella Ciao" auf moderne Art und Weise, oder wählt Songs aus, bei denen der Text einladend ist und das Publikum direkt anspricht (z.B. "Emergency"). Musik als Mittel zum Eröffnen von Dialogen, als verbindendes Element oder als Deeskalationsmedium, denn wie uns Manon verriet, kann Bach auf der Bratsche so manche:n Polizist:in aus der emotionalen Bahn werfen.

Eine weiterer musikalischer Teil von Extinction Rebellion sind die XR-Drummers. Wenn die Trommelgruppe, bei den Aktionen auftritt ist laut Manon die Stimmung immer positiv und die Leute tanzen und laufen gerne mit. Bei spontanen Aktionen ist es schwer die Instrumente mit einzubinden, erklärt Manon, doch bei geplanten Aktionen ist das immer häufiger der Fall. So auch bei einer Theateraktion die das GreenWashing der Deutschen Bank darlegen sollte oder bei einem Flashmob am Berliner Hauptbahnhof der das Sterben der Arten und Biodiversität thematisierte. Die Vorbereitung zur sechsminütigen Flashmob-Aktion zog sich über vier Monate hin, denn Manon entwickelte mit anderen Aktivist:innen einen dafür passenden Sound und eine aussagekräftige Choreographie. Musik ist von vielen Aktionen ein Teil, der die Message als verstärkendes und harmonisierendes Element mit vermittelt.

Dies ist vor allem für die Performance relevant, denn die Klimagerechtigkeitsbewegung sucht nach neuen Aktionsformaten, da viele Menschen von den Standardprotesten gelangweilt sind. Manon meint, es bräuchte dringend neue Formate, um die Menschen nachhaltig zu erreichen. Ob die Menschen von Flashmobs, Theatervorführungen und weiteren Straßenaktionen nachhaltig geprägt sind, lässt sich kaum nachvollziehen, jedoch ist das vordergründige Ziel der Aktionen weiterhin sichtbar zu sein. Und wie Manon es formulierte: "Alles was wir momentan machen ist ein Versuch". Sie stellen Forderungen wie, dass die Politik gemäß der wissenschaftlichen Erkenntnisse handeln muss und Bürger:innen mehr in Prozesse eingebunden werden. Diese sollen anhand neuer Protestformen wie beispielsweise die Einbindung der Kunst erreicht werden, um bei die Menschen auch emotional zu erreichen.



Der Safariklimaleitfaden

  1. Der Spielraum in der Schule, dem Studium oder auch in anderen demokratischen Formaten muss genutzt werden, um sich mit Gleichgesinnten zu vernetzten. Dadurch könnt ihr politisch mitmischen und etwas bewegen. Wie es auch Manon in ihrem Interview sagte, die Ohnmacht ließe sich dadurch vertreiben gemeinsam zu handeln und gemeinsam zu sein.

  2. Nutzt die kostenlosen Beratungsangebote und informiert euch zum Beispiel bei der Berlin Music Commission.

  3. Wenn ihr selbst aktiv seid und Projekte, Konzerte oder Veranstaltungen organisiert, versucht gebrauchte Sachen zu leihen, Kostüme aus Vorhandenem zu gestalten und Transportwege sowie Verpflegung möglichst nachhaltig zu denken.

  4. Euch steht bald ein Instrumentenkauf bevor? Schaut doch einmal genauer hin! Was sind die Materialien? Wo kommen sie her? Und wer ist in die Arbeitsprozesse involviert?

  5. Bleibt positiv und achtsam! Es gibt viele Wege, die Welt nachhaltiger zu gestalten, selbst in den Bereichen, von denen man es am wenigsten erwartet, wie der Musikwissenschaft.



Die Safari Klimatracks


Mine - Erdbeeren ohne Grenzen

Mine...

  • kommt aus der Nähe von Stuttgart

  • studierte Jazzgesang

  • hat mittlerweile sechs Alben released

  • hat für das Album Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt des Rappers Danger Dan die Streicher-Arrangements geschrieben



Mar Malade – Song for a plant (in A-Minor)

Mar Malade...

  • haben das instrumentale Stück für und mit Pflanzen aus dem Schwarzwald (und einer klassischen Gitarre) geschrieben

  • Verwenden kaum elektronisch erzeugte Klänge

  • Bringen Organismen und Gegenstände zum Klingen, wie bspw. Pflanzen


Systemabsturz – Ode an Horst

Systemabsturz...

  • sind musikalisch zwischen Rave-Punk, Schlager-Verschnitt und natürlich dem Techno zu finden

  • sprechen gesellschaftliche Probleme direkt an

  • verherrlichen nicht die Landflucht, den Ärztemangel und weitere Probleme ländlicher Gegenden



Migati – Cornern

Migati...

  • thematisiert die Gelassenheit gegenüber dem Klimawandel, als sei das eine Normalität, auf die wir uns lediglich einstellen müssen

  • spricht das fehlende Bewusstsein und die überwiegende Ignoranz der Mehrheit gegenüber dem Klimawandel an

  • singt von dem Prozess, dass wir unserer Lebensgrundlagen entzogen werden und das in einem zunehmendem Tempo, weshalb über die Absurdität, dass alles brennt und es gibt kein Draußen, aber wir cornern draußen gesungen wird



RAUM27 – Das Klima wieder hin

RAUM27...

  • sind schon bei FFF in Bremen aufgetreten

  • haben einen hoffnungsvollen Song geschrieben, der alltägliche Handlungen und kleine Nebenbeitaten aufzählt, die weder nachhaltig „schnippen unsere Kippen weg an Orten, wo uns keiner kennt“, noch gut fürs Klima sind


  • fordern eine gesellschaftliche Reflektion der alltäglichen Gewohnheiten, die unterbunden werden müssen, um dem Klimawandel ansatzweise noch trotzen zu können



Neonschwarz – Hitzefrei

Neonschwarz...

  • sind seit 2012 eine Hamburger Hip-Hop-Band

  • sind bekannt für ihre kritischen Texte an Gentrifizierung, Rechtspopulismus, Kapitalismus und vielem mehr

  • sind politisch aktiv, aber trotz Kritik steht der Spaß am Musik machen im Vordergrund

  • setzten sich in dem Song "Hitzefrei" ironisch mit dem Thema der Erderwärmung, dem Anstieg des Meeresspiegels und weiteren Klimakatastrophen auseinander



Ahtapot – Dere

Ahtapot...

  • heißt Oktopus

  • schrieb den Song Dere was übersetzt Fluss heißt und von der Klimakriese handelt

  • schrieb den Song Dere aus der Sicht eines Fischers der sagt, dass der Mensch seine Sorgen nicht verstehen kann



KAFVKA – Alles was wir tun

KAFVKA...

  • hat aus dem Ungerechtigkeits- und Hilflosigkeitsgefühl heraus den Song "Alles was wir tun" geschrieben

  • versucht gesellschaftliche Probleme durch Musik den Menschen nahzubringen

  • möchte die Zuhörer:innen motivieren, aktiv an Veränderungen teilzuhaben



COURTIER – Jüngstes Gericht

COURTIER...

  • ist Frontsänger der Band "Actio Grenzgänger"

  • und schreibt Songs, die vom "Aufstand der Jugend handeln und sich mit gesellschaftlichem Wandel auseinandersetzt

  • will für eine bessere Welt kämpfen und nicht nur davon singen



Alien Surf Girls – Kein Weltuntergang

Alien Surf Girls...

  • stellen in ihrem Track "Kein Weltuntergang" das Ende auf eine ironische Art und Weise dar

  • vergessen trotz dem ganzen Chaos nicht mit Humor das Leben zu leben



Falls ihr die beiden Klimasendungen noch einmal nachhören möchtet, findet ihr sie als Podcast überall da, wo es Podcasts gibt, u.a. auf Spotify. Und alle Infos zu unseren neusten Sendungen und Events findet ihr auf unserer Instagram-Seite sowie HIER.



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